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Ph.D. vs. Dr. – Welcher Weg passt besser? Ein Guide für die HdM-Community

Berufseinstieg oder wissenschaftliche Vertiefung?

Vor dieser wichtigen Frage stehen viele Absolventinnen und Absolventen nach dem Studium. Wer sich für eine Promotion entscheidet, hat erneut die Qual der Wahl: Ein strukturierter internationaler Philosophiae Doctor, (Ph.D.) oder der klassische deutsche Doktortitel? Beide Titel stehen für die höchste akademische Qualifikation – doch es gibt feine, teils entscheidende Unterschiede. Zwei Lehrende der Hochschule der Medien, (HdM) berichten aus eigener Erfahrung.

Ansgar Gerlicher und der strukturierte Ph.D.

Ansgar Gerlicher, Professor an der HdM, promovierte am London College of Communication. Er beschreibt den Weg als aufwendig und streng formalisiert. Gleichzeitig überzeugte ihn gerade dieser strukturierte und faire Ablauf sowie die intensive Betreuung. Schon die Zulassung sei anspruchsvoll gewesen: „Ich musste mein Thema vorstellen, ein ausführliches Exposé einreichen, mehrere Schleifen durchlaufen und mich am Ende vor einem Gremium präsentieren.“ Während der Promotion wurden alle Meetings mit den Betreuenden dokumentiert. Nach zweieinhalb Jahren folgte eine Zwischenprüfung, nach weiteren zweieinhalb Jahren die Abschlussprüfung. Diese wurde von zwei unabhängigen Prüfern betreut. „Kontakt zu beiden war im Vorfeld ausdrücklich untersagt. Meine Betreuer durften zwar zuhören, aber nicht eingreifen – nicht sprechen, keine Zeichen geben, nichts“, erzählt er. Dies diente der Objektivität des Verfahrens.

Transmediale Forschung: Der individuelle Weg von Sabiha Ghellal

Sabiha Ghellal, Professorin an der Hochschule der Medien (HdM) in Stuttgart, hat ihren ganz eigenen Weg zur Promotion gefunden. Zunächst war sie als Managerin für Research und Innovation bei Sony Europe tätig und veröffentlichte in dieser Zeit mehrere wissenschaftliche Arbeiten – unter anderem auf der renommierten CHI-Konferenz für Mensch-Computer-Interaktion (CHI 2007). Erst danach begab sie sich aktiv auf die Suche nach einer Doktormutter oder einem Doktorvater. Ursprünglich begann sie ihr Promotionsvorhaben in Deutschland, da sie sich stark für Themen wie Games und Experience Design interessierte. Doch geeignete Betreuung zu finden, war nicht einfach: „Man braucht jemanden, der versteht, dass in transmedialer Forschung für Games Wissen an der Schnittstelle von Kunst, Sound und technischer Entwicklung entsteht. Eine solche Person zu finden, ist schwer“, erklärt Ghellal. Aus diesem Grund wechselte sie schließlich zu ihrer damaligen Zweitbetreuerin an die Universität Aalborg in Dänemark. Diese bot ihr mit einem strukturierten Promotionsprogramm nach internationalen PhD-Richtlinien genau den Rahmen, der ihren Bedürfnissen besser entsprach.

Als besonders prägendes Highlight ihrer Promotion nennt Ghellal die Präsentation ihres Games auf der Konferenz für Forschung im Feld „Designing Interactive Systems“ (DIS 2014): „Das war ein ganz besonderer Moment, weil ich meine Arbeit in einer thematisch passenden Session vorstellen durfte – unter dem Titel Horror, Vampires, Magic & Hobbits. Es war inspirierend zu sehen, dass ähnliche experimentelle Ansätze und das Thema Forschung durch Design dort Anerkennung fanden.“

Portrait Sabiha Ghellal Portrait Sabiha Ghellal Portrait Sabiha Ghellal
Hier hält Ghellal ihr altes Konferenzbuch der DIS in den Händen.

HdM als Partnerin im Promotionsprozess

Die HdM unterstützt Promotionsvorhaben auf verschiedene Weise. Momentan laufen die meisten Betreuungen an der HdM über Partnerschaften, zum Beispiel mit der Glasgow School of Art in Schottland oder der Swansea University in Wales. In diesem Fall führt der Weg dann zu einem Ph.D. Es ist immer ein Betreuer von der HdM dabei, aber die Infrastruktur und die formale Erstbetreuung kommen von der Partneruni, die den Titel vergibt. Teile der Forschung finden im Ausland statt. Bei Kooperationen mit der Universität Stuttgart oder Tübingen wird ein deutscher Doktortitel verliehen. Seit Kurzem ist eine Promotion direkt an der HdM über den Promotionsverband möglich – ganz ohne Kooperation mit einer Universität. Professorinnen und Professoren wie Gerlicher dürfen seitdem eigenständig Promotionen betreuen und prüfen. „Erste Promotionsprojekte sind bereits angelaufen, die ersten Abschlüsse erwarten wir in naher Zukunft“, so Gerlicher.

Ich bin fertig mit dem Master. Na klar: Ich promoviere!

Nach dem Master direkt zur Promotion? Ganz so einfach ist es dann doch nicht. Gerlicher bringt es auf den Punkt: „Eine Promotion ist eine Entscheidung, die man nicht leichtfertig treffen sollte. Sie prägt das eigene Leben über viele Jahre.“ Neben fachlicher Begeisterung braucht es vor allem Ausdauer, Stressresistenz und Engagement. Rückschläge gehören dazu: „Man darf sich davon nicht entmutigen lassen.“ Auch Ghellal teilt diese Einschätzung: „Man muss lernen, mit Ablehnung umzugehen und Feedback konstruktiv anzunehmen.“

Das klingt nach harter Arbeit – warum lohnt sich eine Promotion trotzdem? Wenn man bereit ist, sich auf eine persönlich fordernde Reise einzulassen, kann sich eine Promotion intellektuell und menschlich sehr lohnen. „Zu wissen, dass ich mit meiner Arbeit die Grundlage für Technologien geschaffen habe, die heute in Tools wie Google Docs alltäglich sind, ist ein großartiges Gefühl“, berichtet Gerlicher. Auch die Konferenzen, Treffen und Unterhaltungen mit internationalen Experten prägten ihn sehr: „Trotz der Herausforderungen habe ich diese Zeit sehr genossen und viel daraus mitgenommen.“

Eine Promotion kann in der Industrie zu deutlich höheren Gehältern führen. Gerlicher konnte während seiner Tätigkeit im Bereich Forschung und Entwicklung bei Daimler Benz einen signifikanten Zuwachs beobachten. „Wer eine Karriere in Forschung und Lehre anstrebt, für den ist eine Promotion meiner Erfahrung nach fast unerlässlich“, stellt er fest. Und Ghellal? Sie kann heute durch ihre Promotion auf wirklich hohem Niveau forschen und Doktorandinnen und Doktoranden betreuen, insbesondere um die Forschung im Bereich Games zu fördern.

Lehrende der HdM vor dem HdM Schriftzug Lehrende der HdM vor dem HdM Schriftzug Lehrende der HdM vor dem HdM Schriftzug
Das Foto zeigt die Lehrenden des Studiengangs Mobile Medien sowie wissenschaftliche Mitarbeitende und Doktorandinnen und Doktoranden Studiengangs Mobile Medien an der Hochschule der Medien. In der Mitte steht Sabiha Ghellal und rechts außen ist Ansgar Gerlicher zu sehen.

Ph.D. oder klassischer Doktor? Die wichtigsten Unterschiede

Der Ph.D.-Titel ist international bekannter als der deutsche Doktortitel. Er gilt in vielen Ländern als höchster akademischer Abschluss. Einen deutschen Doktortitel einfach mit Ph.D. anzugeben, etwa für internationale Bewerbungen, ist nicht empfehlenswert. Nicht jeder Doktortitel ist so formalisiert und international strukturiert wie ein Ph.D., der einem klar geregelten Forschungs- und Prüfungsprozess folgt. Umgekehrt ist es jedoch durchaus möglich, einen Ph.D. offiziell als Doktorgrad anerkennen zu lassen. Während der Ph.D. also vor allem international Türen öffnet, hat der deutsche Doktortitel im deutschsprachigen Raum weiterhin großes Ansehen. Gerlicher erzählt: „Für internationale Karrierewege – zum Beispiel in der Forschung oder an Hochschulen außerhalb Deutschlands – halte ich den Ph.D. daher für wertvoller. Er öffnet Türen zu akademischen Positionen, bei denen der deutsche Doktortitel manchmal nicht ausreicht.“ Seiner Meinung nach ist der Ph.D. besonders für Menschen geeignet, „die neugierig sind, offen für andere Kulturen und gerne strukturiert sowie eigenverantwortlich arbeiten“.

Nicht nur der Titel zählt: Warum der Ruf der Institution entscheidend ist

Ghellal betont, dass nicht der akademische Titel im Vordergrund stehen sollte, sondern vielmehr die wissenschaftliche Ausrichtung der Institution. Dabei spielt die fachliche Infrastruktur, die Qualität der Forschenden sowie deren internationale Sichtbarkeit durch Publikationen eine große Rolle. Ein weiterer zentraler Aspekt sei die Wahl der Promotionsform: monografisch oder kumulativ. Ghellal bevorzugt die kumulative Dissertation, da sie durch regelmäßiges Feedback, Publikationen während des Forschungsprozesses und die engere Anbindung an den wissenschaftlichen Austausch geprägt ist. Die monografische Promotion hingegen verlange oft ein isoliertes, mehrjähriges Arbeiten an einem einzigen, abgeschlossenen Werk. Diese strukturellen Unterschiede wirken sich – so Ghellal – maßgeblich auf die Qualität der Promotion und den individuellen Forschungsweg aus.

Strukturierung als zentraler Unterschied

Gerlicher und Ghellal sind sich einig: Die Strukturierung ist ein zentraler Unterschied zwischen einer Promotion in Deutschland und einem Ph.D. im Ausland. Ghellal betreut aktuell Doktorandinnen und Doktoranden sowohl in Deutschland als auch an der Glasgow School of Art. An der Glasgow School of Art ist der Promotionsprozess klar geregelt – mit verpflichtenden Kursen, jährlichen Fortschrittsberichten und einer strikten Trennung zwischen betreuenden und prüfenden Professorinnen und Professoren. Dies soll zur Objektivität beitragen: „Ich würde sagen, dass in Deutschland oft eine größere Abhängigkeit vom Doktorvater oder von der Doktormutter besteht als im Ausland. In Großbritannien ist vieles stärker formalisiert, während die Strukturen in Deutschland je nach Universität variieren.“

Doktor oder Ph.D. – was würden Gerlicher und Ghellal heute wählen?

Beide Lehrenden würden sich heute wieder für ein internationales Ph.D.-Programm entscheiden – wegen der klaren Struktur, der Trennung von Betreuung und Bewertung sowie der internationalen Perspektive. Dennoch hat auch der klassische Doktortitel seine Vorteile, besonders im deutschen Wissenschaftssystem. Der Promotionsverband bringt zusätzlich frischen Wind. Die Entscheidung hängt vom Thema, den eigenen Zielen und der bevorzugten Umgebung ab. Wichtig ist: Wer promovieren möchte, sollte dies aus Überzeugung tun und genau wissen, worauf er oder sie sich einlässt.

Tipps für Promovierende

Für eine gelungene Themenfindung ist wichtig, dass…

  • für das Thema eine echte Begeisterung besteht. Ideal ist es, eine bisher ungelöste Fragestellung zu finden – also eine Forschungslücke. Dafür ist eine intensive Auseinandersetzung mit dem Thema notwendig. Ein guter Ansatz ist es, an der Masterarbeit anzuknüpfen und das Thema in der Promotion weiterzuverfolgen.

  • die Hochschule die nötige Infrastruktur bietet.

Für die Zusammenarbeit mit Betreuenden ist wichtig, dass Promovierende…

  • handlungsorientiert denken.

  • offen mit den Betreuenden kommunizieren.

sich frühzeitig und regelmäßig Feedback holen, dem Betreuer aber auch genug Zeit dafür lassen. Herausforderungen können so gemeinsam gemeistert werden und man kommt nicht vom richtigen Weg ab!

Was ist der Unterschied zwischen einer kumulativen und einer monografischen Promotion?

  • Kumulative Promotion: Einzelne wissenschaftliche Publikationen durchlaufen Peer-Review-Verfahren https://www.ub.hu-berlin.de/de/bibliotheksglossar/peer-review-verfahren , was frühzeitig externes Feedback und Qualitätssicherung bedeutet. Das reduziert die Abhängigkeit von einer einzigen finalen Bewertung. Die Aktualität wird gewahrt durch regelmäßige Veröffentlichungen. Die kumulative Promotion dauert oft drei bis fünf Jahre, um die nötige Anzahl veröffentlichten Arbeiten zu erreichen. Das sind meist mindestens drei Publikationen.

  • Monografische Promotion: Dabei wird die schriftliche Dissertationsleistung in Form einer einzelnen Monografie erbracht. Sie ermöglicht die Darstellung komplexer Zusammenhänge, was in bestimmten Fachrichtungen besonders relevant ist. Zudem ist die Fertigstellung der Dissertation nicht an die Begutachtungsprozesse wissenschaftlicher Zeitschriften gebunden.

Autor/in

Alina von der Strate